Arbeiten als Freelancer: Kekse und KIM K zum Frühstück

Manchmal kann mein Job ganz schön anstrengend sein: Ich sitze viel rum und starre auf Bildschirme. Das kann einen ganz schön irre machen, weil man den ganzen Tag im stillen Kämmerlein sitzt und über einzelne Wortfragmente nachdenkt. Manchmal kommt noch dazu, dass ich einfach absolut keinen Bock habe und mich im ständigen Kampf mit mir selbst befinde, ob ich jetzt das 723ste Level bei Candy Crush* knacke oder endlich diesen verdammten Text mal fertig stelle. Das habe ich mir eigentlich gar nicht so bewusst gemacht, als ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Plötzlich waren die Kollegen weg und ich war auf mich alleine gestellt.

 

Mit meiner Ausbildung war es nämlich praktisch schon vorprogrammiert, dass ich im ständigen Austausch mit anderen Kollegen sein und deshalb örtlich mit ihnen verbunden sein muss. Ich kannte also vorher auch nichts Anderes. Deshalb war es am Anfang auch ein super Gefühl, alleine zu sein. Endlich konnte ich mich richtig gut auf eine Aufgabe konzentrieren und habe Projekte viel schneller und auch besser fertiggestellt, als das im Großraumbüro bei mir der Fall war. Unglaublich, wie viel absolute Ruhe so ausmacht. Und machen wir uns nichts vor - absoluter Pluspunkt ist auch, dass ich in Jogginghosen arbeiten und Kekse zum Frühstück essen kann, wenn ich mich danach fühle.

 

Alleine Arbeiten lässt einen Seltsam werden

Als ich noch im Großraumbüro arbeitete, war ich abends meistens leer, was soziale Interaktionen anging. Schließlich hatte ich ja den ganzen Tag vor mich hingeblabbelt und wollte deshalb den Feierabend gerne mit Schweigen verbringen. Das wirkte sich auch auf meine privaten Beziehungen aus, weil ich die meiste Zeit einfach keine Lust mehr hatte, nach Feierabend noch weiter zu sprechen und einfach meine Ruhe haben wollte. Das kennen wahrscheinlich viele, die in kommunikativen Berufen arbeiten.

 

Als ich dann in die Selbstständigkeit wechselte und das erste High vorbei war, musste ich dann aber doch merken, dass alleine arbeiten ganz schön einsam ist. Weil jetzt musste ich mich nicht mehr von ständig klingelnden Telefonen und unnötigen E-Mails ablenken lassen - aber es machte auch niemand mehr ein Siegestänzchen mit mir, wenn etwas gut gelaufen war und niemand hielt mich über die Beziehung von Kim und Kanye auf dem Laufenden. Stattdessen war ich die Einzige, die mit mir redete. Und ich war ziemlich sicher, dass ich irgendwann ziemlich strange werden würde, wenn das weiter so ginge. Denn ich fing an, tatsächlich in Jogginghosen zu arbeiten und redete gelegentlich mit meiner Kaffeetasse.

 

Schluss mit Lustig

Genauso, wie man Singles nachsagt, dass sie komisch werden, wenn sie zu lange alleine leben und keine soziale Kontrolle haben, ist das glaube ich auch mit Kollegen. Wenn das hier weiter so ginge, würde ich nie wieder in ein Büro eingegliedert werden können. Also hieß es umdenken. Wie bekomme ich meine Arbeit geschafft und sorge dafür, dass ich nicht sozial inkompatibel werde? Ganz klar, Menschen treffen.

 

In meinem Fall sind das meistens Kunden oder Dienstleister wie mein Steuerberater oder der nette Mann von der IHK. Das ist nicht ganz dasselbe wie Kollegen, weil die machen kein Siegestänzchen mit mir (zumindest die meisten), aber dafür bin ich stets fokussiert auf mein Gegenüber und höre richtig zu. Das ist denke ich der ganze große Vorteil an meiner jetzigen Arbeit. Dadurch, dass meine sozialen Interaktionen was die Arbeit angeht auf ein oder zwei Stunden am Tag begrenzt sind, kann ich mich viel besser auf das Gespräch konzentrieren und schätze es viel mehr wert. Das wirkt sich auch auf die Qualität meiner Arbeit aus. Und gelegentlich esse ich halt auch feierlich Kekse zum Frühstück und schaue dabei Ausschnitte aus Keeping Up with The Kardashians. Warum? Weil ich's kann.

 

*tatsächlicher Score. Ich bin peinlich berührt und stolz wie Bolle gleichzeitig.