Das Internet kann so gemein sein - nur nicht zu mir

 

Wie viele von euch mitbekommen haben, war ich letzte Woche im Fernsehen. Nichts Spannendes - ich war nur die elende Schnippelhilfe beim Perfekten Dinner und habe der deutschen Fernsehnation gezeigt, wie ich aussehe, wenn ich übermüdet meinen Freund anschnauze und dabei Edamame-Bohnen schäle. Es war ganz witzig, aber mir hat es schon vor dem Tag gegraust, an dem die Ausstrahlung angesetzt war.

 

Nicht, weil ich mich für mich selbst oder meinen Freund schäme - sondern weil ich zufällig von Berufs wegen etwas von Social Media verstehe und schon wusste, dass das Internet seine ganz eigene Meinung über mich und meine manchmal bessere und manchmal schlechtere Hälfte haben würde. Schließlich labern wir beide ununterbrochen und unser Humor ist auch nicht jedermanns Sache - Zum Beispiel kam das glaube ich nicht so gut beim Zuschauer an, dass folgender Dialog stattfand:

 

Ich: "Ich sehe gerade, dass du Heiopei das Blech unten gar nicht rausgenommen hast. Dann werden die Törtchen von unten gar nicht mal so geil"

Freund (toternste, genervte Miene): "Dein Gesicht ist von unten gar nicht mal so geil!"

 

Ich: Schulterzucken, Whatever.

 

 

Foto: Das perfekte Dinner ITV/VOX

Als ich das gesehen habe, wusste ich schon gleich, was da los sein würde. Wie kann ich mir das nur gefallen lassen, habe ich denn keinen Stolz und generell, wieso verlasse ich diese Laberbacke nicht einfach? Dabei ist das ein bisschen aus dem Kontext. Wir reden immer so miteinander - auf unsere ganz eigene, kranke Art und Weise.

 

IM INTERNET GIBT ES VIEL "KRITIK"

 

Naja, dann kam der Tag der Ausstrahlung und ich hatte mir am Tag vorher die "Kritiken" auf Facebook über die angesehen, die am Tag zuvor gekocht hatte. Wie immer, ganz unterste Schublade. Das Essen wurde beleidigt, die Zähne der armen Frau kamen auch nicht gut weg und generell wurden ihr virtuell Sachen an den Kopf geknallt, die ihr niemals irgendjemand von denen ins Gesicht gesagt hätte. Social Media gibt uns vor, dass wir uns hinter unseren Profilen verstecken und wir grundlos Menschen beleidigen können. Dabei beleidigt man aber nicht nur im heimischen Wohnzimmer, sondern trägt es nach Außen - dort, wo die betreffende Person es auch sehen kann. Das vergessen viele.

 

Deshalb dachte ich mir am Tag der Ausstrahlung: Okay, das wird heute Abend echt unwitzig und ich werde mir einiges anhören dürfen. Da ich schon länger aufgrund meiner Social Media-Affinität mal mehr und mal weniger digital im Vordergrund stehe, kenne ich das schon. Ich habe schon viele verletzende Kommentare über meine Person lesen müssen. Aber damit muss man nun mal klarkommen, wenn man sich in die Öffentlichkeit begibt - außerdem haben die meisten auch nicht wirklich Recht. Und deshalb hatte ich schon einen schönen Blogartikel über die Läster-Mechanismen in sozialen Netzwerken vorbereitet und wie man mit solchen Kritiken umgeht.

 

NIX PASSIERT...

 

Ja und dann... Dann kam die Ausstrahlung und nichts passierte. Zumindest nichts Weltbewegendes. Dabei hatte ich mich extra gewappnet und mich sogar ein bisschen darauf gefreut. Kritik, dass mein Freund anstrengend ist, weil der so viel labert - Erzähl mir was Neues.... Dass mein Freund "Fich" statt "Fisch" sagt - Ebenfalls keine Neuigkeiten. Dann kam auch ich ins Spiel - endlich. Wir seien bestimmt Geschwister. Geht doch! Jetzt geht's los. Zwar immer noch nicht sonderlich kreativ in Sachen Beleidigung - aber wir näherten uns. Ich sei voll nervig und scheiße. Mhm - damit konnte ich nicht viel anfangen. Geht das vielleicht ein bisschen spezifischer? So wird das niemals ein brauchbarer Case für meinen Blogartikel. Als Paar seien wir ja schon süß. Ich krieg die Krise! So kann ich nicht ARBEITEN!

 

Wechsel zu Twitter. Hier sind die richtig gemeinen Menschen. Einer nennt mich Sam, die Schniedelhilfe. Das finde ich nicht beleidigend, das finde ich brüllend komisch! Es scheint Fahrt auf zu nehmen - die gleiche Person möchte uns beiden Baumschaum in den Rachen rammen, damit wir die Schnauze halten. Juhu! Dann wieder nichts. Ich sei in meinen früheren Leben mal ein Stein gewesen. Ach, come on! Das war dann der Moment, an dem ich aufgegeben habe. Ich bin also anscheinend nicht scheiße genug, um mies gemeinte, persönliche Beleidigungen zu provozieren. Ich weiß noch nicht, wie ich das finden soll.

 

Wer das ganze Desaster nochmal ansehen möchte - hier gibt es noch heute und morgen den Link