Pokémon Go - Ja, wie catche ich denn em all?

Diese Woche musste ich wieder feststellen, dass meine Berufswahl doch eine echte Herausforderung werden kann, wenn ich irgendwann mal ein gehobenes Alter erreichen sollte. Denn was ich den ganzen Tag so mache, hat ja auch viel mit digitale Trends erkennen und auf Marktveränderungen reagieren zu tun. Bis jetzt geht das noch. Ich hänge privat viel auf Facebook rum und weiß deshalb blind, wie das soziale Netzwerk funktioniert. Auch Homepages und Online-Shops machen mir keine Probleme – hier bin ich auch tagtäglich unterwegs und weiß, wie ein gutes Endprodukt aussieht. 

 

ERST SNAPCHAT - JETZT POKÉMON GO

Wo es dann aber schwieriger wird, sind Tools und Medien, mit denen sich meine Altersgruppe der 25 bis 30-Jährigen nicht so gut auskennt. Snapchat ist da so ein Beispiel. Keiner meiner Freunde hat es, weil wir da viel zu alt für sind - aber irgendwie muss ich ja auf dem neuesten Stand bleiben. Schließlich gibt es genug Unternehmen mit Zielgruppen, die 20 Jahre alt und jünger sind. So kam es bereits zu der absurden Aktion, dass ich mir ein altes Smartphone geschnappt und mir für mein neues und mein altes Handy jeweils einen Snapchataccount angelegt habe, damit ich das mal üben kann. Ich möchte nochmal sagen, dass das einer der armseligsten Momente ever war, als ich da mit meinen zwei Handys versucht habe, mir selbst Nachrichten zu schicken. 

Damit ich nicht schon wieder so unbeholfen peinlich sein muss, habe ich mir bei Pokémon Go gedacht: Okay, alles klar. Du bist von Anfang an dabei. Du wirst es verstehen, es lieben – es leben. Also App runtergeladen und los ging’s. Erste herbe Enttäuschung nach dem Öffnen der App: Alter, ich muss mich bewegen? Was soll das denn bitte sein? Hatte ich also schon gleich keinen Bock mehr. 

Aber gut, was tut man nicht alles dafür, steinreich zu werden. Schließlich ist der Markt für Pokémon Go-Zubehör bis jetzt zu exakt 0% erschlossen und wenn ich jetzt die richtige Idee habe, kann ich schon den ersten Besichtigungstermin für eine Privatinsel auf den Malediven machen oder mir nen Bentley bestellen – Ach, was sag‘ ich! Ich kann mir eine eigene Concierge-Agentur kaufen, die 300 Concierges den ganzen Tag damit beschäftigt, mir Privatinseln und Bentleys zu kaufen! Also Samira, reiß dich mal zusammen. Drei Meter laufen hat hier noch niemandem geschadet! Und wenn du reich bist, musst du auch nicht lernen, wie Snapchat geht...

 

Ich KENNE NUR PIKACHU...

Also auf ins Abenteuer. Einziges Problem: Ich kenne nur Pikachu – und den mag ich nicht mal besonders. Sollte ich also DIE bahnbrechende Produktidee für Pokémon Go haben, wäre das so ironisch, als würde Boris Johnson Außenminister von Großbritannien werden. Oder Donald Trump Präsident der USA (Nachtrag - okay, ähm. Das ist beides wirklich passiert... Verrückt). Ich laufe also zur nahelegenden Kirche, in deren Nähe sich also ein Pikachu – äh, hier Dingens – Pokémon - verstecken soll. Ich stehe vor der Kirche, mein Handy vibriert und das sieht schon dumm genug aus. Noch dümmer ist, dass sich nichts tut. Hier ist kein Pokémon. Was muss ich machen, damit das Pokémon rauskommt? Ich zoome, ich drehe mich im Kreis, ich halte das Handy an die Kirche. Die Bauarbeiter hinter mir beobachten mich amüsiert. Okay. Also zum nächsten Punkt, an dem sich ein Pokémon verstecken soll. Wieder nichts. Egal was ich tue, auf meinem Handy tut sich gaaaaar nichts. Ich komme mir blöd vor und stelle mich schon darauf ein, dass ich dann halt doch weiterhin lernen muss, wie das mit Snapchat geht. 

Doch dann kommt in einem Park meine Erlösung. Am nächsten Punkt stehen zwei Mädels, die auch Pokémon suchen und wahrscheinlich die Volljährigkeit noch lange nicht erreicht haben. Das ist mein Vorteil, denn die Mädels befinden sich wahrscheinlich in den Sommerferien und haben die überflüssige Zeit bereits dafür genutzt, voll die Checker zu werden. Tatsächlich. Sie erklären sie sich dazu bereit, der verwirrten alten Dame (mir) zu helfen. So fühlt sich also die ältere Dame über mir, wenn ich ihr die Klingel einstelle – entwürdigt und zugleich irgendwie erleichtert.

 

Warten, Bälle Schmeissen, Einfangen

 „Also das ist eigentlich echt ganz einfach. Hier so das drehen und die Pokébälle einfangen und dann guck hier, da läuft ein Taubsi rum, das kannste jetzt fangen – ah nee, jetzt ist das wieder weg - dahinten ist noch ne Kampfarena, da kannste Punkte sammeln“. Ich erstmal nur „…?“. Aber nach einer Weile hatte ich den Dreh raus. Achsoooo, ich muss erst warten, bis da auch ein Pokémon vorbeikommt - sonst kann ich da auch nichts fangen. Bloß weil da ein Punkt markiert ist, heißt das nämlich nicht, dass das Pokémon auch da ist. Okay, got it. Warten bis das Pokémon kommt, Bälle drauf schmeißen, einfangen. Das erste Pokémon, das ich mit viel Aufwand gefangen habe, war übrigens ein Tauboss. Mein Freund war später am Tag so frei, mir zu erklären, dass ich gleich schon voll das krasse Pokémon gefangen habe und war total neidisch. Tja, Anfängerglück. 

Weil ich da was länger mit den Mädels stand, waren wir nach etwa zehn Minuten übrigens auch nicht mehr nur drei, sondern bald schon fünf, dann sieben und schließlich acht Menschen und ein Hund, die ebenfalls Pokémon gesucht haben – und das am Tag des offiziellen Releases und auch noch im verschlafenen Kleve. Da kann mir also keiner erzählen, dass es hier nicht eine Chance auf absoluten Reichtum gibt, wenn man hier die richtige Idee hat. Zu dumm nur, dass ich nicht diese Person sein werde. Ich gebe hiermit offiziell auf. Ihr entschuldigt mich - Ich bin snapchatten. Mit mir selbst.

 

 

NEIN! DAS WAR EIN WITZ! PRODUKTIDEEN IMMER ZU MIR!

Ihr dürft auch auf meiner Privatinsel abhängen.