Der unreflektierte Umgang mit dem Internet. Ein Donnerwetter.

Ich habe ein Problem. In meiner Timeline. Denn Facebook ist längst im Mainstream angekommen und langsam stresst mich das wirklich, wie unreflektiert einige Personen mit dem Internet umgehen. 

 

Es gab mal eine Zeit, da war mein Facebook-Newsfeed ein freundlicher Platz in dem meine Freunde Quatsch gepostet und mir putzige Videos von hüpfenden Pinguinen empfohlen haben. Politik war da noch kein Thema und Facebook war ein sorgenfreier Raum, in den ich gerne tauchte um abzuschalten. Das ist jetzt vorbei. Jetzt kommt mir zwar immer auch noch viel Schönes und Positives entgegen - aber auch genau so viel Schreckliches und Dinge, die ich gar nicht sehen wollte. 

 

JEDER KENNT ZWEI ODER DREI SPEZIS, DIE POLITISCH FRAGWÜRdiges Zeug posten

Ich gehe davon aus, dass jeder von euch so zwei, drei Spezis in seiner Freundesliste hat, die einem mit geposteten und geteilten Inhalten in den politischen und moralischen Wahnsinn treiben. Ein brandaktuelles Beispiel. Gerade mache ich Facebook auf und Folgendes kommt mir entgegen: Ein Video, in dem Hunde gequält werden (wir reden hier nicht von einer Happy End-Geschichte, in der die Hunde ein liebevolles Zuhause finden. Die Hunde sind am Ende tot). Dann folgt irgendso ein Aufruf, dass ich eine Petition unterschreiben soll, dass sogenannte "Nafris" schneller abgeschoben werden sollen (Ääääh... Nein, Danke). Und als Highlight hat sich dann noch einer meiner Facebookfreunde furchtbar in einer Klever Gruppe darüber aufgeregt, dass der Caspar bei den drei Sternsingern aus Political Correctness nicht mehr schwarz angemalt wird (Ja lass die doch, die Farbe hat bei mir früher eh immer nur ne allergische Reaktion hervorgerufen).

 

Und ich denk nur so: Alle mal die Sabbel halten, ich bin gekommenen um ein Brot zu essen und dabei ein paar witzige Dinge zu sehen. Stattdessen bekomme ich aber schlechte Nachrichten, Schockvideos und die Erkenntnis darüber, wie peinlich einige Menschen aus meinem Bekanntenkreis sind, weil sie angeblich eine simple Antwort auf ein komplexes Problem gefunden haben und die Lösung dann laut und ungefragt im Internet rumschreien. Das muss aufhören. Ich habe keinen Platz in meinem Leben für politisch verwirrte Quatschköppe mit mangelnder Medienkompetenz oder vermeintliche Aufklärungs-Messiasse (ist das der Plural von Messias? Geht das überhaupt? Sonst versuch ich's mal mit Messiasuten).

 

Die Supermarkt-regel

Ich persönlich achte peinlich darauf, dass meine Äußerungen in diesem Online nicht zu politisch werden, da für mich Facebook und generell das Internet immer noch ein Raum für Spaß, Kreativität und gute Laune ist. Denn meine politische Meinung ist etwas Privates und da ich nicht in der Politik aktiv bin, geht sie auch niemanden etwas an. Wahrscheinlich interessiert es auch niemanden großartig, welche politische Einstellung ich zu verschiedenen Themen habe. 

 

Und das ist der Knackpunkt, den einige nicht verstanden haben. Wer digital unterwegs ist, ist nicht privat unterwegs. Zumindest nicht privat privat. Das soll bedeuten, dass soziale Medien eigentlich dazu da sind, sich oberflächlich mit anderen Menschen auszutauschen. Also über Dinge, mit denen man auch mit seinen Bekannten an der Supermarktkasse quatscht: Ich arbeite jetzt bei der und der Firma - schau mal hier, ein Bild von meiner Katze - ich hab letztens diesen Film gesehen, der war echt richtig gut. Das reicht. Wer eine durchschnittliche soziale Kompetenz aufweist, würde an der Supermarktkasse einem praktisch Fremden niemals im zweiten Satz seine Meinung über "Nafris" rausblasen, Streit über die Gesichtsbemalung der Heiligen Drei Könige anfangen oder jemandem ein Video auf seinem Handy zeigen, in dem Hunde gequält werden. 

 

Weniger Platz für politsch verwirrte und mehr platz für positives

Ist da aber das Internet als Schutzschild vor, hauen einem einige Personen ungefragt ihre Meinung um die Ohren. Die interessiert mich aber nicht. Sorry. Erzählt das bitte euren engen Freunden oder irgendwelchen Personen, die ihr regelmäßig bei eurem Stammtisch trefft. Denn auch wenn ich mich nicht politisch äußere, heißt das nicht, dass ich ein armer unwissender Bürger bin, der Aufklärung sucht. Im Gegenteil. Ich weiß ziemlich viel und bin nicht sonderlich auf den Kopf gefallen - ich habe viele eurer bekloppten Argumente in drei Sätzen auseinander genommen (außer ihr seid Hardcore-Veganer - ihr seid mir meistens rhetorisch und moralisch überlegen).

 

Ich möchte gerade einfach nur keine gequälten Hunde sehen oder verquere Meinungen lesen, wenn ich mein Brot esse. Ist das denn zu viel verlangt? So Timeline-Spezis sind wie Bauarbeiter, die einer Frau hinterherpfeifen. Da denkt die Frau ja auch nicht: "Was für ein toller Typ!" und startet eine Affäre mit ihm. Nein, sie geht weiter, denkt sich "Vollpfosten..." und lästert danach mit ihren Freundinnen darüber ab. Das ist nicht anders mit stark polarisierenden Aussagen in sozialen Netzwerken. Niemand wird sich der Meinung anschließen. Die meisten Nutzer scrollen weiter, denken sich "Vollpfosten..." und lästern danach mit ihren Freunden darüber ab. So einfach ist das.

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Naja, ich hab mich gerade eigentlich nur mal ganz furchtbar aufregen müssen. Aber ab jetzt wird alles wieder positiv - ich hab meinen Facebookfeed aufgeräumt und jetzt drei Facebook-"Freunde" weniger. Sollte den drei Personen auffallen, dass wir keine "Freunde" mehr sind, erkläre ich es ihnen gerne, wenn ich sie an der Supermarktkasse treffe. Mal sehen, ob die das auch von Angesicht zu Angesicht mit einer Person besprechen möchten, die sie kaum kennen ;)

 

Ich find das selber doof, dass das so ein negativer Post war. Also mach ich die Laune jetzt wieder gut. Et Violá: Pinguine (sollte jetzt jemand sagen, wie ich mich noch an Pinguinen erfreuen kann, wenn gleichzeitig die Gletscher schmelzen und mir ein Video über globale Erderwärmung schicken, hau ich um mich!)