Pinterest - mein Online-Kokain

"Hallo, mein Name ist Samira und ich habe ein Pinterestproblem" -  so oder so ähnlich werde ich mich wahrscheinlich bald in einer Selbsthilfegruppe für Menschen vorstellen müssen, die kurz davor sind,  ihr Leben aufgrund einer vermeintlich harmlosen Sache ordentlich vor die Wand zu fahren. Ich weiß auch nicht genau, wie ich da reingerutscht bin...

 

Naja, eigentlich weiß ich das schon. Angefangen hat alles damit, dass ich vor ein paar Tagen einen interessanten Artikel darüber gelesen habe, wie vorteilhaft Pinterest für die Suchmaschinenoptimierung ist. Zwar hatte ich seit einiger Zeit bereits einen Pinterest-Account, aber irgendwie habe ich das Prinzip nie richtig verstanden und dann war mir das irgendwie auch zu doof. Naja und dann hatte ich halt den Artikel gelesen und dachte mir, ich könnte mich ja mal dran machen. Ein fataler Fehler. Wahrscheinlich wäre das alles total harmlos ausgegangen, wenn ich nicht zufällig auch im Sommer heiraten würde. Aus Spaß an der Freude suchte ich nämlich dann mal nach Hochzeitsinspirationen um mich in diese Pinterestgeschichte einzugrooven. Leider musste ich dann nämlich feststellen, dass es unglaublich gute Inspirationsmöglichkeiten in Sachen Hochzeit gab.

 

 

Pinterest-Samira hat keine Zeit für Nebensächlichkeiten

Zeitsprung. Sechs Stunden später: Der Hund signalisiert mir mir eindringlichem Blick, dass jetzt wirklich mal Zeit für ne Gassirunde ist, auf meinem Anrufbeantworter blinkt die Leuchte schon ganz hektisch und die Operation Abendessen habe ich auch nicht mal ansatzweise in Angriff genommen. Stattdessen bin ich in die tiefe Welt der Tischdekorationen eingetaucht, mache aber dem Hund zuliebe doch mal kurz Pause. In der Zwischenzeit kommt mein Freund nach Hause und denkt zunächst, ich sei ausgeraubt und entführt worden, weil es bei uns aussieht wie bei Hempels unterm Sofa und alles rumliegt, da ich eine Stunde zuvor alles auseinander genommen habe, um diese komischen Wunderkerzen zu suchen, die wir noch irgendwo hatten. Da gab es nämlich eine ganz tolle Idee auf Pinterest und ich wollte sie sofort ausprobieren. Klar hätte ich auch die Sachen alle zurückräumen können - aber es gab noch so viele weitere Tischdeko-Ideen!

 

Nun ja, mein Freund macht sich zunächst Sorgen. Ich nicht da, alles aus dem Schubladen geräumt, mein Anrufbeantworter blinkt und irgendwie riecht es auch komisch (kann sein, dass ich unter Umständen mein Mittagessen zubereitet habe, aber nie dazu gekommen bin, es zu essen und es deshalb schon seit heute Mittag vor sich hin gammelt). Das passt nicht zu mir, da er eigentlich immer drauf zählen kann, dass ich in den letzten Zügen der Abendessenzubereitung bin, wenn er kommt und ich eigentlich auch meine Anrufe gewissenhaft entgegennehme. Nun ja, Pinterest-Samira hatte aber keine Zeit für so Nebensächlichkeiten, kommt pfeiffend um die Ecke und freut sich auf ne weitere Runde Pinterest. Nebenbei sage ich meinen Freund, dass wir die ganze Hochzeitsdeko nochmal umwerfen sollten und ich noch ne Idee hätte, die mit einer Einhorn-Pinata zu tun hätte. Mein Freund versteht nur Bahnhof, ist aber in erster Linie erst mal froh, dass ich lebe. Dann schaut er irritiert, weil ich sofort wieder in mein Arbeitszimmer abrausche und ihm einfach den Hund samt Leine in die Hand drücke. 

 

 

Das "Vom Hölzchen aufs Stöckchen"-Prinzip. Tödlich.

Weiterer Zeitsprung. Zwei Stunden später. Mein Freund hat aufgeräumt, gekocht und mein Mittagessen entsorgt. Dann steht er neben mir und schaut mir dabei zu, was ich da mache. Dann ist es Zeit für eine Intervention. Ist ja nett, dass ich das mit dem Pinterest sehr ernst nehme und so, aber er hat noch nie jemanden so krass suchten sehen, wie mich - und das heißt schon was, da er doch recht viele Hardcore-Gamer kennt, die ziemlich übel WOW zocken. Irgendwie weiß mein Freund auch nicht so richtig, ob er lachen oder weinen soll. Bei Pinterest gibt es nicht mal Levels oder so und man muss auch keine Monster töten oder eine Prinzessin retten. Stattdessen ist es ein unendlich langer Feed, den man immer weiter runterscrollen kann und bald erkennt mein Freund auch die Gefahr, die von Pinterest für mich ausgeht: Das vom Hölzchen aufs Stöckchen-Prinzip. Der eine Link führt einen zu zwanzig weiteren Links und die zwanzig Links führen jeweils zu zwanzig weiteren Links und so weiter. Das hatte sich auch schon mal bei Youtube als sehr tödlich für mich rausgestellt, da ich nur mal kurz nen Filmtrailer anschauen wollte und mein Freund mich dann drei Stunden später vorfand, wie ich mir ein Tutorial zum Bau eines Hühnerstalls reinzog. 

 

Gut. Jetzt habe ich erst mal Pinterestverbot und darf das Medium nur noch unter Aufsicht nutzen. Vielleicht ist das auch besser so, denn was nützt mir eine gut geplante Hochzeit, wenn ich keinen Freund mehr habe, den ich heiraten kann und auch kein Geld, da ich ja anscheinend vor lauter pinteresten nicht mehr arbeiten kann.